Veröffentlicht: Mittwoch, Juli 4, 2012 von Agnieszka Berlin

Ein Holländer in Rom – Jan Vermeer ab Herbst in der Scuderie del Quirinale

Manche Künstler mag man einfach. Während es die farbspritzenden Zeitgenossen in der Regel schwer haben wirklich Gefallen zu finden,  gibt es eine kleine aber feine Gemeinschaft von Malern,die es geschafft haben: die Menschen lieben sie und ihr Werk. Warum? Weil sie uns Geschichten erzählen. Weil wir kein Studium brauchen, um sie zu verstehen. Und weil ihre Bilder so gut in unser Wohnzimmer passen würden. Jan Vermeer gehört zu diesen Superstars der Kunst und die Scuderie del Quirinale widmet ihm ab Oktober eine Einzelschau.

Schankwirt, Kunsthändler, Gutachter – und eben Künstler. Vermeer tanzte auf vielen Hochzeiten und war auf allen gleichermaßen erfolgreich. 1632 in Delft geboren fiel sein Schaffen mitten in Hollands „goldenes Zeitalter“, quasi DEM Wirtschaftsboom der frühen Neuzeit. Noch bevor Spanien und Frankreich den Niederlanden den Rang als Staatsmacht Europas wieder strittig machten, fanden Künstler wie Rembrandt, Frans Hals oder eben Jan Vermeer den Nährboden für Kreativität und finanzielle Sicherheit. Erstmals in der (Kunst-)Geschichte gab es neben den privaten Kunstförderern einen freien Kunstmarkt und reiche Bürger, die willig waren, ihr Geld auf diesem zu investieren. Das kam Vermeer zu Gute, der seine Bilder geschickt unter die Käufer brachte. Seine Tätigkeit als Wirt sicherte ihm sein Einkommen auch in Durststrecken, seine Arbeit als Kunsthändler festigte seinen guten Ruf. Also alles richtig gemacht, Mijnheer Vermeer?

Vielleicht nicht ganz. Denn der Umfang seines Werks ist minimal. Nur 37 Bilder werden ihm sicher zugeschrieben, das sind etwa 2 Bilder pro Jahr. Es ist bekannt, dass Vermeer bedächtig malte und wochen- und monatelang mit dem Licht und der Komposition rang. Das ausgewogene Ergebnis seiner fantastischen Stadtansichten, Historienbilder und vor allem Alltagsszenen überzeugte schon die Zeitgenossen, doch mehr als ein echter Geheimtipp war Vermeer zunächst nicht. Das ist heute anders, doch mag das nicht allein an seiner künstlerischen Kraft liegen.

Längst hat Hollywood den geheimnisvollen Künstler für sich entdeckt. Der bekannteste Film ist „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ (das Originalbild ist leider nicht in der Ausstellung zu sehen…) mit Colin Firth und der wunderschönen Scarlett Johansson. Die Romanvorlage kann eine schöne Einstimmung für die Ausstellung sein und zeigt den Charakter eines Mannes, der uns aufgrund mangelnder Überlieferung eigentlich relativ fremd ist. Vielleicht macht ihn diese Mischung aus mysteriöser Aura und vermeintlicher Nähe für uns so beliebt. Neben seinen wunderschönen Bildern natürlich.

Übrigens: Vermeer war selbst wohl nie in Rom. Doch führte ihn seine Arbeit als Gutachter einst mit einer ganzen Reihe von römischen Bildern zusammen, deren Echtheit er bestätigen sollte. Er entlarvte sie sämtlich als Fälschungen und schätze ihren Wert auf einen Bruchteil der ursprünglichen Summe. Nun können wir Vermeers Originale in der Ausstellung bewundern. Zwar nur wenige, aber immerhin echt!

Jessica Löscher für agnieszka-berlin.com

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