Veröffentlicht: Mittwoch, Mai 30, 2012 von Agnieszka Berlin

schläft er oder schläft er nicht? – Berlusconi im Schrein im Palazzo Ferraioli

Ein kleiner Schock erwartet die Besucher des Palazzo Ferrajoli in Rom: mitten in einem rosa Raum steht ein Schrein und in diesem, auf rotem Samt und einem goldenen Kissen gebettet, liegt Silvio Berlusconi.

Aber ein kurzer Blick genügt, um den da liegenden Silvio als Kunstwerk zu erkennen. Also keine Angst, nicht Silvio selbst liegt dort, sondern seine Wachskopie.

Die beiden Künstler Antonio Garullo und Mario Ottocento haben ihr Werk aus Gummi, Kunstharz und echten Haaren ‘Il sogno degli italiani’ – “der Traum der Italiener” genannt.

Es ist natürlich nicht zum ersten Mal, dass unser Cavaliere Objekt einer künstlerischen mehr oder weniger provozierenden Auseinandersetzung ist. Neben Berlusconi als Supermannstatue,  gab es  da die Seife mit dem Namen “Mani Pulite” , die der italo-schweizerische Künstler Gianni Motti angeblich aus dem körpereigenem Fett, das Berlusconi während einer Fettabsaugung entfernt wurde, geschaffen hat. Mani pulite, also auf Deutsch “saubere Hände, ist übrigens der Name der Bewegung der 90er Jahre, in der viele korrupte Politker entlarvt und rechtlich verfolgt wurden. Der Name der Seife erklärt sich daher von selbst…

Nicht zu vergessen ist aber auch die Serie  dreidimensionaler Köpfe aus Fiberglas von  Stefano Pierotti, genannt “Berluscrotto” sowie der l’”Artentato”, ein Objekt der italienischen street art: eine Schaufensterpuppe, die wie Berlusconi aussieht, ein Teppichmesser in der Hand und einem Zettel um den Hals mit der Aufschrift: ” du blutest Italien aus!”. Übrigens fand die Aufstellung dieses artefactums nur  wenige Tage vor Berlusconis Rücktritt in der Galleria in Mailand als performance statt. Ob Silvio es gesehen und daraus seine Schlüsse gezogen hat?

Etwas ausgefeilter und mit offensichtlicher Symbolik gespickt, ist das neue Objekt im Palazzo Ferraioli: der scheinbar tote (oder schlafende) Silvio liegt da mit einem Lächeln auf den Lippen, die linke Hand weich an den offenen Hosenschlitz gelegt und Micky-Mouse-Pantoffeln an den Füßen. Der ist Kopf leicht nach links geneigt.

Jedem Betrachter ist klar, dass mit dem offenen Hosenschlitz an seine fast manische Beziehung zur Sexualität angedeutet wird. Die lächerlichen Pantoffeln erinnern an seine weltberühmten und von vielen gefürchteten “Witze” und an seinen unberechenbaren, gauklerischen Charakter.

Na ja, wie zu erwarten streitet man sich nun in Italien heftig über “Silvio im Schrein”. Der Vatikan ist pikiert, weil der “ausgestellte” Silvio an die in Kirchen ausgestellten Heiligen erinnert und man im Kunstwerk Blasphemie und einen Angriff von links wittert. Die Anhänger Silvios widerum verziehen angewidert den Mund über den geschmacklosen Umgang mit Ihrem Idol. Andere hingegen fürchten, Silvio könnte doch noch zu einer Pop-Ikone werden und Lady Gaga in Selbstdarstellung Konkurrenz machen.

Und Silvio selbst? Was denkt der? Ach, ich bin mir sicher, dass er uns dies in der Zukunft wissen lassen wird.

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