Veröffentlicht: Sonntag, Mai 6, 2012 von Agnieszka Berlin

Tintoretto in Rom – ein Alter Meister ganz modern

Eine Reise nach Rom lohnt sich immer – ein Besuch in der Scuderie del Quirinale erst recht. Die Kuratoren lassen sich regelmäßig nicht lumpen und holen nur die Allergrößten in ihre Hallen. Nach Botticelli, Caravaggio, Lorenzo Lotto und Filippino Lippi ist nun Jacopo Robusti an der Reihe. Kennen Sie nicht? Kennen Sie doch! Bekannt ist der Mann unter seinem Künstlernamen „Il Tintoretto“, zu deutsch „das Färberlein“. Der Beruf des Vaters brachte ihm diesen Spitznamen ein. Heute ist Tintoretto neben Tizian DER große Venezianer der Malerei.

Tintorettos Werk umfasst das ganze Spektrum von mythologischen über religiöse Themen und natürlich Porträts. Die Ausstellung in Rom gibt einen guten Überblick darüber, beleuchtet aber auch den Einfluss des Künstlers über die eigene Werkstattt und die eigene Zeit hinaus. Und die sind zahlreicher als man vielleicht denken mag. Vor allem die rege Betriebsamkeit des Künstlers entfachte die Kritik seiner Kollegen. Sogar Giorgio Vasari mäkelte über die allzu schnelle und sparsame Malweise Tintorettos und die damit einhergehende angeblich mangelnde Qualität. Vasari selbst war noch Mitglied einer Generation mit dem (Arbeits-)Prinzip „Gut Ding will Weile haben“ und konnte über das Tempo Tintorettos nur den Kopf schütteln. Die Folgen dieser Produktivität begegnen uns bis heute in den vielen Kirchen und Galerien der Lagunenstadt. Und überhaupt: der Künstler als geschäftstüchtiger Werkstattmanager – heute würde Tintoretto statt Kritik viel Bewunderung erfahren und wäre vielleicht sogar auf der berühmten Forbes-Liste der einflussreichen Unternehmer zu finden…

Auch malerisch ist Tintoretto viel beachtet. Sein Hell-Dunkel-Spiel führte Venedig aus der Renaissance in den Manierismus, jenen Stil, der von dramatischen Übertreibungen lebt. Ein wenig düster, ernst und übertrieben, so kommt der Manierismus daher, der mit dramatischen politischen Veränderungen einherging. In Venedig war das vor allem der langsame Bedeutungsverlust des Seehandels nach der Entdeckung Amerikas, in Rom der „Sacco di Roma“, der Überfall auf Rom durch habsburgische Landsknechte. Die Idylle der Renaissance war dahin, was folgte war die Entdeckung des Dramatischen in der Kunst und Tintoretto ging schnurgerade voran. Bis heute sind es die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die auch die Kunst immer wieder neu antreibt.

Der Besuch der Ausstellung in Rom lohnt sich für alle, egal ob sie lieber zurück oder nach vorne schauen. Übrigens: In Deutschland hat vor einigen Monaten übrigens der erste „Tintoretto-Roman“ für Furore gesorgt. „Tintorettos Engel“ von Melania Mazzucco ist zwar fiktiv und kommt nicht ohne das ein oder andere historische Klischee aus, könnte aber eine unterhaltsame Vorbereitung für den Besuch der Ausstellung des venezianischen Starmalers sein.

Die Ausstellung “Tintoretto” noch bis zum 10. Juni in der Scuderie del Quirinale!

 

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