Veröffentlicht: Dienstag, Dezember 20, 2011 von Agnieszka Berlin

Habemus Papam – Ein Papst auf Abwegen

Was macht ein Papst, der nicht Papst sein will? Diese Frage stellt Nanni Moretti in seinem aktuellen Film, der nach Italien nun auch in Deutschland für Furore sorgt. Die Situation ist schnell erzählt – der alte Pontifex verstirbt, ein neuer muss im Konklave gefunden werden. “Ich nicht, Herr, ich nicht!”, rattert es durch die Köpfe der anwesenden Kardinäle. Doch einer muss – Kardinal Melville, der als Außenseiter in die Wahl ging und als ein Sieger hervorgeht, der einfach nicht strahlen will. Der neue Heilige Vater schafft es  nicht einmal, auf die Loggia des Petersdoms zu treten, um die Gläubigen zu grüßen und nimmt Reißaus.  Nun ist guter Rat im Vatikan teuer!

Während der Pontifex durch Rom irrt und einen Weg aus der Misere sucht, warten die Kardinäle ratlos im Vatikan, denn das Konklave ist erst dann erfolgreich abgeschlossen, wenn der Papst sich dem Volk von Rom vorstellt. Abwarten und Tee trinken also! Es menschelt einfach herrlich in diesem Film, wenn die betagten Herren sich wegen eines Kartenspiels zerstreiten oder zu Mercedes Sosas “Todo cambia” im Takt schwofen und in die Hände klatschen. Es darf gelacht werden, wenn der eigens herbeigerufene Psychoanalytiker (Nanni Moretti selbst!) für die Kardinäle ein Volleyballturnier auf die Beine stellt und die Teams nach Kontinenten und Regionen sortiert - Pech für Ozeanien, das es so nur auf drei Spieler im Team bringt. Zum sportlichen Finale kommt es indes nicht, es bahnt sich ein ganz anderes an…

Moretti zeigt einen Papst, wie wir ihn noch nicht gesehen haben. Nicht der gottgewollte Amtsträger steht im Vordergrund, nicht die glühende Verehrung oder die beißende Kritik, die ihm zuteil wird. Der Papst als Mensch, von Menschen gewählt in ein Amt, das er nicht haben will. Es ist erstaunlich, wie gern wir diesen Papst nach 110 Filmminuten haben, nicht trotz, sondern gerade wegen seines Scheiterns. Es ist doch beruhigend, wenn auch die Mächtigsten der Welt nicht von jedem (Selbst-)zweifel erhaben sind. Es stimmt eben doch: Irren ist menschlich!

“Habemus Papam-ein Papst büxt aus” ab dem 7.12.2011 im Kino

Jessica Löscher für Romaeterna

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