Veröffentlicht: Mittwoch, Oktober 26, 2011 von Agnieszka Berlin

Borgia – Familienmanagement in der Renaissance

Liebe und Leidenschaft, Mord und Todschlag – das sind die Zutaten für einen richtig guten Fernsehabend. Und wenn wir das gleich an sechs Abenden genießen dürfen, so wird eine ganze TV-Saga daraus, die in diesem Fall auf eine der schillerndsten Gestalten der Renaissance und seine Familie beruht: Rodrigo Borgia, der spätere Papst Alexander VI. ist das ehrgeizige Projekt des ZDF, das gestern in die vierte Runde ging.

Wahrscheinlich fasziniert uns diese Geschichte deshalb so sehr, weil Papst Alexander scheinbar alles tat, was sich für einen Papst eben NICHT gehört. Er feierte gern, liebte die Frauen und zeugte Kinder. Nicht gerade das Bild eines Pontifex unserer Zeit. Aber Alexander VI lebt eben nicht heute, er war ein Kind der Renaissance, einer Zeit im Aufbruch, die die Ketten des Mittelalters sprengen wollte und alle Fenster weit öffnete, um frische Luft einzulassen. Eine Zeit der neuen Ideen und des prallen Lebens. Damals war es alles andere als unüblich, dass Kardinäle und Päpste Frauen und auch Kinder hatten, aus denen Alexander übrigens keinen Hehl machte. Ganz im Gegenteil liebte er seine Familie, wusste sie zu fördern und geschickt in seine Politik als Souverän des Kirchenstaates mit einzubinden. Auch zu seinen Geliebten pflegte er zum Teil ein inniges Verhältnis und versorgte sie über die Beziehung hinaus. Die römischen Wohnsitze Vanozza Cattaneis und Giulia Farneses, neben seiner Tochter Lucrezia die beiden wichtigsten Frauen in Alexanders Leben, sind noch heute auf einem schönen Spaziergang durch das historische Zentrum der ewigen Stadt zu bestaunen.

Übrigens – hätte es im 15. Jahrhundert schon eine Klatschpresse gegeben, so wäre Papst Alexander sicher mehr als einmal auf der Titelseite gelandet. Zu verdanken hätte er das auch einem „Leck“ in den eigenen Reihen. Sein eigener Zeremonienmeister Johannes Burckard hatte stets ein Notizbuch dabei und verfasste mehrere Schriften, in denen er auch allerlei Skandalöses über den Heiligen Vater festhielt. Wie so oft kommt der Verräter eben aus den eigenen Reihen! Heute wissen wir, dass viele der Behauptungen Burckards maßlos übertrieben sind – oder eben Stoff für einen richtig tollen Film. Mistrauen Sie also auch ein bisschen der ZDF-Sendung!

Jessica Löscher für Romaeterna

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