Veröffentlicht: Montag, Oktober 10, 2011 von Agnieszka Berlin

Filippino Lippi in den Pferdeställen des Papstes

Während Berlin die „Gesichter der Renaissance“ bewundert, gibt es in Rom zur Zeit eine echte Alternative . Die Scuderie del Quirinale, der Marstall des ehemaligen päpstlichen Sommersitzes, zeigt Filippino Lippi und bringt ihn erstmals  mit seinem Lehrer Sandro Botticelli in einer Ausstellung zusammen. Aber keine Angst vor großen Namen! Auch die Meister der Renaissance waren Menschen aus Fleisch und Blut. Immerhin war Lippi das Ergebnis einer ziemlich skandalösen Romanze zwischen dem Maler Filippo Lippi und der schönen Lucrezia Buti – und die waren Mönch und Nonne.

Natürlich dürfen in so einer Ausstellung liebliche Madonnen nicht fehlen. Doch was mich wirklich an Filippino Lippi fasziniert ist sein eigener Weg. Er macht sich frei von den großen Meistern und das sieht man seinen Werken an, die immer dunkler und geheimnisvoller werden. Lippis Figuren sind nicht nur überirdisch mit ihren Falten, markanten Nasen und hochgezogenen Brauen, sondern faszinierend real.

Wer sich übrigens die Ausstellung anschaut, sollte unbedingt auch einen Abstecher zur Kirche Santa Maria sopra Minerva machen. Hier malte Lippi die Kapelle der Kardinalsfamilie Carafa aus. Nicht nur ein Beispiel für Lippis geniale Freskotechnik, sondern auch für die alltägliche Politik der Vetternwirtschaft im neuzeitlichen Rom. Auch Kardinäle sind eben Menschen aus Fleisch und Blut. Aber das ist ein anderes Thema…

Jessica Löscher für Romaeterna

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